Rückblick 2007 bis 2008 – Geldquelle 2 versiegt, Handlungsbedarf

2007 beginnt dann auch der nächste und wohl entscheidende Schritt, die notwendigen Geldmittel aufzutreiben für diese Reise. Durch die Teilzeit hatte ich mir einiges an Sparmöglichkeiten natürlich wieder selbst vernichtet, dadurch aber die Zeit geschaffen, die ich für die Arbeiten an dem Auto brauchte (die ewige Balance zwischen Zeit haben UND Geld haben ist mehr Richtung Zeit gekippt). Der Internethandel, zur Finanzierung der Reise gedacht, musste oft auch noch zum Lebensunterhalt beitragen, da wir auch gerne mal im Winter 4 Wochen aus dem Grau nach Indien oder Australien geflohen sind. Über die Jahre hat sich ebay selbst für uns als Verkäufer permanent negativ entwickelt, immer schlechterer Service, immer höhere Gebühren, immer mehr Regeln, immer mehr Konkurrenz, die ja auch zusehen kann, wenn etwas gut läuft und dann gleich mitspielt, nur 50 Cent billiger als wir. Also wir wieder 50 % billiger als die, das Spielchen geht von vorne los. Nebenbei steigen die ebay Gebühren. Irgendwann reicht es uns: Wir sehen ein, mit Neuware ist da kein Geschäft mehr zu machen, die Bestände verkaufen wir zu Schleuderpreisen: Weg damit, bevor es noch schlimmer wird. Dann besinnen wir uns auf meine Erfahrungen als Motorrad- Schrauber und starten ein Experiment: Ein Motorrad bei ebay kaufen, sich per Spedition liefern lassen, zerlegen und die Teile bei ebay wieder verkaufen. Die Logistik und ebay Erfahrung dazu haben wir. Und siehe da, das Experiment wird ein Volltreffer. Wir müssen natürlich Erfahrung mit dem neuen Handel machen, aber Gebrauchtteile sind einzigartig und gefragt, da bleibt sogar bei horrenden ebay Gebühren noch was über.

Über das erste Jahr baut sich so ein einträgliches Geschäft auf, das die Aussicht auf Finanzierung der Reise in den wie üblich anvisierten 2-3 Jahren aussichtsreich erscheinen lässt. Doch die ewige Balance zwischen Zeit haben UND Geld haben ist wieder mehr Richtung Geld gekippt. Vor allem für Sylvia bedeutet das schon erheblich mehr Arbeitsaufwand, große Motorradteile in Pakete zu packen als Sprachkurse in Briefumschläge. So wird aus dem Ganzen ein kleiner Betrieb mit Versandkraft und einem Team, das die Motorräder zerlegt. Auch ich muss in meiner freien Zeit viel dazu beitragen, sodass im Jahr 2008 die Arbeiten am Fahrzeug mal wieder zu kurz kommen.

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Rückblick 2005 bis 2007 – Fahrzeugbau in der Praxis: Hilfsrahmen bauen

Um genau diesen Hilfsrahmen geht es die nächsten drei Jahre ausschließlich: Als erstes mache ich nach Beendigung meiner Studien im Internet auf Karopapier eine Zeichnung. Als mir diese nach wiederholtem Ansehen, Nachmessen am LKW und Durchrechnen schlüssig erscheint, kaufe ich auch Stahl dafür ein, Vierkantrohre speziell für den Fahrzeugbau. Meine Konstruktion hat viele Versteifungen, so wie bei einem Fachwerkhaus. Die Schweißnähte sollen möglichst wenig Last direkt aufnehmen, dies sollen so weit wie möglich die Versteifungen übernehmen.

Auch der Hilfsrahmen entwickelt sich zu einem Mammutprojekt. Am Anfang heißt es erstmal, die Vierkantrohre so zusammen zu schweißen. Tom, ein guter Freund und Schlosser, unterstützt mich bei den Schweißaktionen. Immer wieder kommt er für einen Nachmittag zu mir und setzt die Schweißarbeiten fort, so dass langsam Stück für Stück die gezeichnete Konstruktion entsteht. Doch diese Aktion zieht sich mehr oder weniger über das gesamte Jahr 2006. Die Termine, an denen wir beide Zeit haben, liegen immer weit auseinander. Doch der eingeschlagene Weg stimmt und wird jetzt weiter verfolgt. Am Anfang müssen wir noch einmal einige Schweißnähte auftrennen und wieder neu zusammen schweißen, da sich die Konstruktion verzogen hatte und die Auflagefläche für die Koffer nicht mehr gerade war. Doch beim zweiten Mal klappt alles. Im Jahr 2006 kommt noch unsere Hochzeit hinzu, auch andere private Ablenkungen lassen uns die weiteren Arbeiten am Auto eher hinten anstehen.

So wird erst 2007 die erste Konstruktion des Hilfsrahmens endlich fertig und kann zum Verzinken gebracht werden. In dieser Zeit sagen wir uns oft „Hätten wir das gewusst, hätten wir uns ein reisefertiges Fahrzeug gekauft“. Es hätte schon den richtigen Aufbau gehabt, den richtigen Hilfsrahmen und vieles mehr. Selber bauen macht Spaß, aber das Hauptziel war doch die Reise. Und muss es so einnehmend werden, dass es sich über Jahre hinzieht, Jahre in denen man sich immer wieder ermahnen muss, an diesem Projekt auch mit viel Energie weiter zu arbeiten, damit es überhaupt fertig wird ? Eigentlich nicht. Aber andererseits, so ist alles exakt nach eigenen Vorstellungen, selbst konstruiert. Die Technik kennt man also, wenn man später ein Problem hat. Und letztendlich, der Weg ist das Ziel, auch diese Erfahrungen und Vorbereitungen sind Teil des Weges und der Reise. Und wenn mich Sylvia ermahnt, wir sollen auch in der Gegenwart leben, anstatt immer nur an diese zukünftige Reise zu denken, so sage ich dann meistens, auch diese Vorbereitungen sind Teil der Gegenwart, und wir erleben sie auch gerade recht intensiv.

Passend zur sich abzeichenden Vereinigung von Fahrgestell und Aufbau, wird dieser noch an einem schönen Sommertag sandgelb lackiert, genau wie das Fahrerhaus bereits vor einiger Zeit.

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Rückblick 2005 die dritte – Fahrzeugbau im Selbststudium

In der zweiten Jahreshälfte beginne ich dann den Stoff von gefühlt zwei Semestern Fahrzeugbau aus dem Internet zu recherchieren. Es fängt damit an, dass die 2003 begonnenen Entrostungsarbeiten am Fahrgestell tatsächlich abgeschlossen sind und ich mir Gedanken mache, wie ich den seit 2003 hier stehenden Koffer auf dem Wagen befestige. Je mehr ich lese, desto klarer wird mir, dass es nicht so einfach ist, wie man sich das vorstellt. Je klarer mir das wird, desto mehr lese ich. Zum Glück hatte ich Mathe und Physik Leistungskurs, die Winkelfunktionen kann ich noch und ein Verständnis für Kräfte, Drehbewegungen und Hebelwirkungen habe ich auch. Ich beginne zu verstehen: Du brauchst eine stabile Dreipunktlagerung. So wie man sich das vorstellt, den Koffer einfach mit genug Schrauben am Fahrzeugrahmen zu befestigen, geht es nicht. Der Rahmen ist verwindungsweich, d.h. er bewegt sich, wenn z.B. ein Rad durch ein Loch oder über einen Hubbel fährt. Der Koffer ist starr, er bewegt sich nicht und würde davon einfach auseinanderfallen. Also muss ein Hilfsrahmen mit einer Dreipunktlagerung dazwischen.

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