Ersatzradhalter die 2. – zu früh gefreut

Nachdem der Ersatzradhalter gerade fertig war, habe ich mich wohl zu früh über den abgehakten wichtigsten Punkt auf unserer Liste gefreut. Wie das gerne so ist, nicht alles klappt auf Anhieb. Der Halter ist zwar stabil und trägt das Gewicht, das Rad wackelt aber noch um eine Achse quer zur Fahrtrichtung, wenn man hinten dran ruckelt. Es würde durch Vibrationen im Laufe der Zeit die Halterung reißen lassen. Um die Fahrzeug- Längsachse ist es dagegen absolut stabil. Also muss ich mal wieder nachdenken, konstruieren, sägen, bohren, schweißen, lackieren. Zwei zusätzliche Stabilisatoren vorne und hinten sollen das Rad am Drehen um die Querachse hindern, die müssen in den nächsten Tagen gebaut werden.
Für unseren Plan bedeutet das gut zwei Wochen vor der geplanten Abreise einen Rückschlag. Das Problem ist lösbar, wirft uns aber bestimmt 2-3 Tage zurück. Zusammen mit anderen Punkten, die sich ebenfalls in die Länge ziehen, werden schnell 1-2 Wochen draus. So verfluche ich die Tatsache, bis zur Abreise noch an dem Gran Hermano bauen zu müssen und immer noch die groben Metall- Arbeiten wie Bohren, Sägen, Schweißen usw. nicht abgehakt zu haben. Es gibt auch noch genügen Kleinkram zu erledigen. Andererseits muss ich auch feststellen, dass alles das, was ich die letzten vier Monate quasi in Vollzeit noch am Gran Hermano gebaut habe, sich parallel zur Arbeit, quasi am Wochenende, nochmals um ein Jahr hingezogen hätte. Angesichts der weiter tickenden biologischen Uhr wäre das auch keine gute Lösung gewesen. Für unseren Abreisetermin heißt das, dass wir wohl den 1. Mai nicht mehr schaffen, wir nehmen uns jetzt vor, es bis zum 15. Mai zu schaffen, gerne natürlich schon eine Woche früher.

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Das fünfte Rad am Wagen

Mittlerweile hat der letzte Monat vor der Abreise begonnen. Spannung und Nervosität steigen. Kreisende Gedanken haben uns schon einige schlaflose Nächte beschert. Sylvias Gedanken kreisen darum, ob erwachsene Menschen wie unsere Eltern und meine Tochter ein Jahr alleine ohne unsere Abwesenheit klarkommen. Oder die halbwilden, sich selbst versorgenden Katzen. Ganz das fürsorgliche Weib, dass es allen recht machen möchte.
Meine eigenen Gedanken drehen sich mehr um uns und unser Auto, den Gran Hermano. Die ganzen Eigenkonstruktionen, sind sie stabil genug? Habe ich alles bedacht? Ich sehe gebrochene Rahmen, verlorene Erstsatzräder, losgerüttelte Öfen, die nach Pistenfahrten durch den Koffer fliegen. Man kann im Internet genug Forums- Beiträge lesen, die besagen, dass das alles schon mal in irgendeiner Form kaputtgegangen ist. Gleichzeitig rückt der Abreisetermin näher, ohne dass die Liste der zu erledigenden Arbeiten am Gran Hermano kürzer wird. Grund ist nicht unbedingt, dass nichts geschafft wird, aber mir fällt auch jeden Tag noch was neues ein, was man noch machen müsste.
Beruhigend ist seit gestern aber, dass der Reserveradhalter nun endlich fertig ist. Schon immer habe ich gedacht, die ganzen zu erledigenden Punkte sind schön, aber nicht lebensnotwendig. Zur Not würden wir auch ohne sie fahren. Einzige Ausnahme: Eben dieser Reserveradhalter. Auf steinigen Pisten durch unbewohntes Land ohne Ersatzrad, das kann man nicht bringen, dazu müßte man schon Südamerikaner oder/und um einiges jünger sein. Der nun von mir erschaffene Halter ist keine schöne Lösung, das Rad hängt am Heck unter dem Rahmen. Das versaut den Böschungswinkel, das Ersatzrad kann hinten aufsetzen, wenn man durch eine Rinne oder einen Fluß fährt. Der Fahrzeugrahmen ist hinter der Achse auch relativ schwach ausgelegt, die 130 kg zerren bei Pistenfahrten mit 4 bis 5- facher Kraft, dabei gelten die Hebelgesetze aus dem Physikunterricht im 9. Schuljahr. Deswegen habe ich den Rahmen auch innen mit C Profilen verstärkt und das ganze noch mit der Quertraverse verbunden.
Eigentlich wollte ich einen Dachgepäckträger über dem Fahrerhaus haben, aber ich hatte das zu lange vor mir hergeschoben und dann am Ende niemanden gefunden, der das bauen kann. Mit diesem Eigenbau ist nach zwei Wochen nur ein einziger Punkt von der Liste abgehakt, aber es ist der wichtigste und größte. Seit ich die Konstruktion in Gedanken abgehakt habe, kann ich schon wieder ruhig schlafen, nun wo sie fertig ist, sehe ich etwas sehr stabiles, das strahlt auf den Rest aus. Die Sorgen verfliegen…
Wenn unterwegs was kaputt geht, ist es wahrscheinlich sowieso etwas, an das man noch nie gedacht hat, also stay cool…

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Papierkram 3.0 – Carnet de Passages

Für einige Länder wie Indien und Nepal braucht man noch ein so genanntes Carnet de Passages, ein Zolldokument für die zeitweise Einfuhr von Fahrzeugen. Dieses wird vom ADAC ausgestellt und ist in diesen Ländern eine anerkannte Sicherheit dafür, dass man sein Fahrzeug nicht dort verkauft und dabei den Zoll umgeht. Dafür muss man beim ADAC eine Bankbürgschaft hinterlegen. Eigentlich keine große Sache, bei dem Zeitwert des Fahrzeuges ist eine Bürgschaft über 5.000 Euro notwendig.
Normalerweise ist das eine reine Formsache (so denken wir), deswegen haben wir auch erst 8 Wochen vor der Abreise angefangen, uns mit diesem Thema zu beschäftigen. Doch wir haben die Rechnung ohne die Bank gemacht. Zwar haben wir 8.300 Euro Dispokredit auf unserem Girokonto, aber selbst mit Absicherung über die Grundschuld unseres Hauses ist eine Bürgschaft über 5.000 Euro für unsere Bank nicht machbar. Scheinbar haben die Rating-Agenturen uns das AAA  heimlich aberkannt, ohne uns zu informieren (in den Nachrichten kam das leider auch nicht). Eine Anfrage bei regionalen Banken wie der örtlichen Sparkasse zeigt schnell, dass das Vorhaben sinnlos ist (Bürgschaften für privat ? Sowas machen wir gar nicht! ). Ist schon klar, Investmentbanking bringt ja auch mehr, wenn’s gut geht (und wenn nicht, zahlt schon jemand anders dafür).
Also müssen wir statt der Bürgschaft solange “echtes” Geld hinterlegen, mit der Gefahr, dass es nach unserer Rückkehr wertlos ist, da es  Euro sind. Machen kann man da nichts, aber ein Norddeutscher vergisst nie! Spontan ist mir die Idee der “Hitlist/Shitlist” gekommen. Auf der Shitlist werden alle Firmen oder Produkte aufgezählt, die unser Reiseprojekt erschweren und in irgendeiner Form versagt haben. Wissen ist Macht, und es  muss nicht jeder eine negative Erfahrung selber machen, die andere schon vorher gemacht haben. Wahl ist auch demnächst wieder, wollten da nicht auch einige Banken um Sympathie (= Geld aus dem Staatshaushalt) werben? Für unser Reiseprojekt sind Banken auf jeden Fall nicht systemrelevant und müssen daher auch nicht gerettet werden. Briefwahl- Unterlagen werden daher Pflicht für die Reise, wirbt da nicht eine neue Partei gerade um Stimmen, um etwas frischen Wind in den Laden zu bringen?

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