Kasachstan-legale Einwanderer

This entry is part 14 of 44 in the series 2-Zentralasien 2012

Bordbuch-Eintrag: Ankunft in Atyrau 21.6.2012, Kilometerstand 5455, 43. Reisetag. Wetter 23 Grad, Regenschauer.

Hatte Sylvia nach Überqueren der Grenze Polen-Ukraine noch gesagt “das ist ja wie Indien vor 30 Jahren”, so lautet jetzt der Kommentar “wie auf dem Mond, eine gottverlassene Einöde”. Die 300 km von der Grenze nach Atyrau führen durch den kleinen europäischen Teil Kasachstans, einen der abgelegensten und unwirtlichsten Teile Europas. In Atyrau bildet dann der Ural- Fluss die Grenze zwischen Europa und Asien.

Am ersten Tag gibt es ein starkes Gewitter, die Szenerie wirkt wie nicht von dieser Welt. Die Kamele in der Steppe wirken in dem strömenden Regen surreal und die Türme der überall in fast größerer Anzahl als Dörfer vorhandenen separaten Friedhöfe wirken wie in einem Geisterfilm.

Am Morgen beginnt es zu regnen, und im Nu ist der Steppenboden aufgeweicht. Der Lehm ist so klebrig, dass nach einigen Metern eine 3 cm dicke Schicht unter den Schuhen klebt, die man mit dem Messer abschälen muss. Wir beeilen uns, zurück zu Straße zu fahren, denn auch das grobstollige Profil des Gran Hermano ist nach wenigen Metern verkleistert, und wir rutschen wie auf Glatteis hin und her. Wenn er trocken ist, dürfen wir den Schweinkram dann aus dem Wohnbereich entfernen.

Dann taucht die Stadt Atyrau im Nichts auf, eine reiche Stadt für Ölarbeiter aus allen Ländern. Alles im Zentrum ist neu, es gibt grosse  Einkaufszentren und breite Straßen mit riesigen Plätzen. Dort treffen wir auf Karsten und Sylvia, seit 7 Monaten im LT Bus mit Anhänger und Motorrad unterwegs (Blog: www.goethepanzer.de). Auch in Kasachstan muss man sich wieder registrieren lassen, dort wird das auch bei der Ausreise kontrolliert. Wir beschließen, dieses “Abenteuer” zu viert anzugehen. Von den Hotels kann nur das teuerste im Ort (400 Dollar pro Nacht) eine Registrierung durchführen, auch nur für Gäste. Das scheidet also aus. Nachdem wir dann quer durch die Stadt zu verschiedenen Behörden geschickt werden, sind wir aber irgendwann richtig. Nun noch Pässe fotokopieren, ein russisches Formular ausfüllen, dann haben wir es geschafft: Wir sind registriert und haben den Status legaler Transitreisender.

Abends gibt es leider noch einen Zwischenfall: Es gibt ein großes Feuerwerk, bei dem der in Griechenland aufgenommene Hund Lukas von Karsten und Sylvia wegläuft und seitdem verschwunden ist. Obwohl sie alles menschenmögliche versuchen, ist er nun seit 36 Stunden weg. Wir wünschen den beiden natürlich, dass es noch ein gutes Ende gibt.

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2-Zentralasien 2012

Russland-Ausreise ohne Registrierung Die Einöde wird immer einöder

This Post Has 15 Comments

  1. grummelbär

    Also gestern lief in Danzig ein Lukas rum. Der ist aber Fussballspieler.

    1. mercury-eck

      Zum 1. Lukas hatte die Stadt nicht verlassen und wurde nach Aussetzung einer Belohnung gefunden. Es war kein Husky, bis nach Danzig hätte er es nie geschafft.

  2. thomas

    Ihr habt im Schnitt bei 43 Tagen täglich 127 km geschafft.
    Da gebt ihr für Sprit ganz gut Geld aus bei dem Verbrauch (?)
    was weiß ich-Sylvie sagte mal was von 25 l/100km das wären so 25€ für 100 km und 2500€ für 10000 km.

    1. mercury-eck

      Zum 2. Alles kostet Geld, ist nur die Frage wieviel. Wir verbrauchen 27 Liter. In Kasachstan gibt es schönes buntes Geld namens Tenge, dafür bekommt man eine Menge Diesel. Wer raucht, freut sich nochmal: Die Stange Camel kostet 8,50 Euro.

      Geld gilt außerdem nicht im Jenseits. Es wird im Reich der Lebenden angehäuft und auch zu Lebzeiten dort wieder ausgegeben. Außerdem – Immer Nachrichten verfolgen: Seit Aufhebung der Bindung an eine bestimmte Goldmenge ist Geld nur ein Stück bedrucktes Papier, das über Nacht wertlos werden kann.

  3. Uwe

    autofahren kostet geld – wer hätte das gedacht …

  4. grummelbär

    Naja, so blöd wird ja wohl keiner sein, dass er auf sone Reise geht, ohne das vorher mal durchzurechnen. Man kann sich natürlich für hunderttausend Euro ein schickes modernes Mobil kaufen und dann pro Tankfüllung ein paar Euro sparen. Oder man fährt mit einer billigen alten Gurke los und zahlt beim Sprit etwas drauf. Und bei 40 Cent pro Liter Diesel, fällt die Entscheidung doch leicht, oder ?

  5. Andreas

    Gaaanz tolle Bilder – mehr davon. Macht euch blos über die Kosten im Einzelnen und vor allem im Allgemeinen nicht so viele Gedanken wie meine Vorkommentartoren.
    Diese Tour mit diesem Fahrzeug, unter den gegebenen Bedingungen, werden Euch ganz sicher Türen öffnen. All die Gefühle ob Wetter, Geräusche,Gerüche, Gedanken und auch die Gefahren sind jeden einzelnen Taler wert. Bitte weiterhin so schön berichten.

  6. Alfs, Freya und Ullrich

    Hallo Ihr zwei,

    heute (27.06.2012) sind wir erst dazu gekommen, mal zu sehen, was Ihr so treibt.

    Freya sagt: Landschaften die wir noch nie gesehen haben gibt es auch hier!!!!!! – ha, ha. Nein, wir beneiden Euch, würden das uns aber nicht trauen.

    Weiterhin viel Vergnügen und eine glückliche Heimkehr irgendwann.

    Freya und Ullrich

  7. grummelbär

    Ja, so ist das leider. Geld ist nur eine Illusion, die plötzlich verschwinden kann. Darum macht Euch was vom Leben, bald seid auch Ihr verschwunden.

    Wie macht Ihr das mit dem Geld? Ohne jetzt irgendein Geheimnis preis zu geben, aber habt Ihr Bares dabei? Oder Plastik? Wenn Plastik, funktioniert das an den Bankomaten da drüben? Die guten alten Traveller-Schecks sind ja wohl total out, oder?

    1. mercury-eck

      Beim Geld macht es der Mix: Bislang war es mit Karten und Bankomaten überall problemlos. Ich habe noch nie soviele Geldautomaten gesehen wie in Atyrau: Nur im Einkaufszentrum war schon eine Reihe mit etwa 30 Stück.

      Ein Anteil Bargeld muss natürlich immer sein. In Usbekistan z.B. kriegt man dafür etwa 30 % mehr.

      Bargeld braucht man aber nicht nur unterwegs:
      Auch zu Hause achte ich darauf, immer genug Bargeld (Wichtig: in verschiedenen Währungen – mein Favorit Aussie Dollar) zu haben: Wenn das Wirtschaftssystem zusammenbricht, werden die Automaten nichts mehr ausspucken. Das Bargeld muss dann reichen, bis sich Tauschhandel und Parallelwirtschaft etabliert haben.

  8. grummelbär

    Ob ALDI und LIDL Aussie-Dollars annehmen? Ich hab da so meine Zweifel 🙂
    Wenn das Wirtschaftssystem zusammenbricht, ist das Bargeld sowieso wertlos. Dann brauchst Du Gold, und zwar in KLEINEN Mengen, also keine dicken Barren, sondern Zahngold u.ä.

  9. thomas

    Das Geld erlangt erst dann Bedeutung, wenn das Gefühl keine mehr hat.Wer den Verstand beherrscht, der beherrscht auch den Beutel.(H.d.Balzac

  10. thomas

    Die richtige Einstellung zu Geld ist habgieriger Abscheu.
    (Henry Miller)

  11. Andreas

    Ein tüchtiges Winken und schallendes (привет) Hallo, Ihr Zwei nach Uzbekistan oder wenigstens in die Richtung dorthin.
    Möchte ja nicht drängen, aber ein paar weitere Bilder wären für uns Daheimgebliebenen schon von großer Wichtigkeit. Hoffe ihr seid gesund und habt noch keine Grund “stopfende” Arzneien einzunehmen.
    Viele Grüße Andresas

    1. mercury-eck

      Alles im grünen Bereich, wir haben die Steppe durchquert und sind tatsächlich jetzt in Uzbekistan. Nun haben wir wieder Netz und können die gesammelten Werke hochladen. Der erste Beitrag ist schon online.

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