Angekommen auf der Ukraine

Bordbuch-Eintrag: Ankunft in den Karpaten 20.5.2012, Kilometerstand 1646, 11. Reisetag. Wetter: 19-21 Grad, die Sonne brennt.

Um es grammatikalisch richtig auszudrücken, wir sind inzwischen auf der Ukraine angekommen. Die russische und ukrainische Sprache hat für alles eine Ausnahme, und so sagt man zwar in Polen, in Deutschland usw. aber AUF der Ukraine. Wir haben uns den Neben- Grenzübergang Kroscienko/Smolnica ausgesucht, dort ist auch recht wenig los. Nach drei Kontrollen sind wir 90 Minuten später in der Ukraine (ich schreibe und spreche jetzt wieder nach deutscher Grammatik). Schade, dass man an grenzen nicht fotografieren darf, denn was hinter der Grenze kommt ist bezeichnend. Ein Schild “Ukraina” in den Landesfarben blau-gelb und danach eine mit tiefen Schlaglöchern übersäte Straße. Das ist die Begrüßung und so bleibt es erstmal. Für die ca. 50 km von der Grenze in die Stadt Sambir brauchen wir etwas über 2 Stunden. Die Straße führt durch archaische Dörfer, in denen fast jeder Quadretmeter für die Selbstversorgung genutzt wird. Bei dem schönen Frühlingswetter ist fast jeder mit Schaufel und Hacke unterwegs zu seinem Garten, um dort zu arbeiten. Selbst später in den Städten wird der Grund vor den alten Sowjet- Plattenbauten noch für Ackerbau und Viehzucht genutzt.

Sylvia ist schockiert über den Straßenzustand und muss sich ständig am Griff festhalten, um nicht durch das Auto geschleudert zu werden. Ich als Fahrer muss ständig Slalom um die Schlaglöcher fahren. Ich beschließe, so etwas mal als Spiel für Android und Apple Telefone zu entwickeln, mit Strecken zum Nachladen (so ähnlich wie bei Flugsimulator). Sylvia wird auch zum Meßgerät für Tiefe und Qualität der Schlaglöcher. Klasse 1 wird mit “aa” kommentiert. Klasse 2 gibt ein lang gezogenes “aaargh”. Für die seltene Klasse 3 lautet der Kommentar “aaarghhh-auah”. Die Klassen 4-7 kommen wohl erst auf Wüstenpisten.

Nach Sambir wird die Straße wieder besser, der Weg zur Grenze war auch nur eine Nebenstraße. Dafür haben wir die Berge wieder verlassen, wir fahren durch endlose Ebenen mit langgezogenen Dörfern. Es ist schon wieder spät, wir mussten an der Grenze die Uhr auf osteuropäische Zeit umstellen, also suchen wir nach einem Stellplatz. Nach einem Abstecher von der Hauptstraße müssen wir feststellen, dass fast überall im Wald noch Dörfer sind, es sind überall Fahrradfahrer und Fußgänger unterwegs. Noch immer ist Sylvia geschockt, “schlimmer als Indien vor 30 Jahren” lautet der Kommentar. Irgendwann stellen wir uns einfach an einem Feldweg direkt an den Straßenrand und übernachten dort.

Am nächsten Morgen kommt dann die nächste Überraschung. Schon frühmorgens ist Stimmengewirr und Gebrabbel zu hören, einzelne Fußgänger gehen laufend an unserem Auto vorbei, das jedoch niemanden zu interessieren scheint. Das Stimmgewirr bleibt während des gesamten Frühstücks erhalten. Ein Blick Richtung Hauptstrasse zeigt, dass über Stunden ständig Scharen von Menschen auf der entlanglaufen. Als wir dann nach dem Frühstück weiterfahren, sehen wir, dass es sich hier um eine wahre Völkerwanderung handelt. Die erste Schätzung von 1.000 Menschen müssen wir auf mehrere 10.000 erhöhen, die alle Richtung Osten wandern und von der Straße einen ganzen Fahrstreifen eingenommen haben. Für den Verkehr in beide Richtungen bleibt nur der andere Fahrstreifen, es geht also nur mit Schrittgeschwindigkeit voran. Was für einen Sinn hat diese gigantische Wanderung ? Es kann doch nur die Kirche im Spiel sein. Dann endlich, nach über 5 Kilometern und über einer Stunde Fahrt taucht tatsächlich rechts ein Kloster auf, zu dem alle diese Menschen hingehen.

Endlich haben wir wieder freie Fahrt, eine Stunde später sind wir dann in der Stadt Ivano- Frankivsk, wo wir uns erstmal mit den für ein neues Land notwendigen Dingen (Landkarte, SIM Karten für Telefon und PC usw.) versorgen. Für 45 Euro bekommen wir zwei SIM karten mit Guthaben und je 1,2 GB Internet- Volumen, eine Landkarte, eine Stange Marlboro, und ein lecker Essen in einem relativ teuren Restaurant. Zu Hause hätten wir nur die Stange Marlboro bekommen.

Am Abend fahren wir dann von Ivano-Frankivsk in die Karpaten, unser eigentliches Nahziel. Wir wollen uns dort in der Natur einen schönen Stellplatz suchen und etwas Sonne, Landschaft und Natur tanken. Auf den 100 km dorthin wird schnell klar, es wird nicht einfach sein, einen Stellplatz zu finden. Die Straße führt durch ein enges Tal, jeder freie Platz ist bebaut. Hotels und Clubs mit Werbetafeln stehen an fast jeder freien Stelle. Dort wo noch keins steht, wird gerade eins gebaut. Die meisten dieser Hotels wurden nach 2000 gebaut, der Tourismus boomt gerade. Im Winter Ski, im Sommer wandern.

Als wir uns schon fragen, wo man da mit dem Gran Hermano stehen soll, finden wir eine kleine Abzweigung nach rechts, eine kleine Straße führt in den Karpaten Nationalpark zu einigen abgelegenen Hotels. Wir stellen uns einfach an einen öffentlichen Grillplatz. Wie sich herausstellt, ist das ein echter Glücksfall. Im Moment ist wenig los (Skisaison vorbei, Sommersaison hat noch nicht angefangen), niemand stört sich daran, dass wir hier zwei Tage stehen. Die Umgebung ist wunderschön, das Wetter auch, was will man mehr. Ausgeschilderte Wanderwege machen es einfach, die Gegend zu erkunden. Nach zwei harten Fahrt- Tagen kommt jetzt also wieder die Belohnung. Draußen essen, grillen, waschen im eiskalten Fluss (Putin hätte es nicht besser gekonnt), das Leben wird nomadischer.

Achtung, es wird irgendwann später noch ein Film nachgeladen.

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Tschüss Polen, weiter geht’s

Bordbuch-Eintrag: Ankunft Solina (Polen) 18.5.2012, Kilometerstand 1313, 9. Reisetag. Wetter: 20-21 Grad, die Sonne brennt.

Von Krakau aus starten wir Richtung Südosten zur ukrainischen Grenze. Das ist eine schöne Tagesetappe von 280 km. Die Landschaft wird bergig und damit sofort schöner, irgendwie sehen in den Bergen auch Städte und Dörfer schöner aus als im Flachland, wahrscheinlich haben Bergbewohner noch mehr natürlichen Sinn für Schönheit. Wider Erwarten sind auch die Straßen im Südosten Polens wesentlich besser als in der Mitte, und so kommen wir zügig zu einem See nahe der Grenze, den wir uns als möglichen letzten Stellplatz ausgesucht haben. Die Straßen sind eng, es gibt nur einen Parkplatz am See, an dem Angler ihre Ausrüstung ein- und auspacken, um auf dem See zu angeln. Also fragen wir diese, ob es möglich ist, dort über Nacht stehen zu bleiben. Man versteht sogar Deutsch, die Antwort ist “wahrscheinlich kein Problem”. So stehen wir direkt am See und haben abends einen herrlichen Seeblick direkt aus der Tür.

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IT-Technik unterwegs

Für Kommunikation, diesen Blog, Bearbeitung von Bildern und Filmen sowie zum Sammeln von Informationen unterwegs sind natürlich auch Laptop und ein neumodisches Smartphone mit an Bord. Da wir eine recht potente Solaranlage auf dem Dach haben, sollten diese sich direkt von den 12 Volt an Bord ernähren, wir haben auf 220 Volt- Technik komplett verzichtet. Auch alle Akkus werden direkt aus 12 Volt Ladegeräten geladen. Licht, Kühlschrank und Kocher werden ebenfalls mit 12 Volt betrieben.

Doch schon am Tag 1, in Kratzeburg, gibt der 12 Volt Adapter für den Dell Laptop Rauchzeichen von sich und zerstört sich nach nur 10 Betriebsstunden selbst. Noch glauben wir an einen Einzelfall und wollen uns Ersatz besorgen, doch wir merken schnell, dass das ländliche Meck- Pomm dafür in etwa so geeignet ist wie die Sahel- Zone. Zum Glück, denn schon zwei Tage später stinkt es wieder nach verbrannter Elektronik, wir kennen den Geruch ja mittlerweile. Und damit hat sich auch der 12 Volt Adapter für das Smartphone, ein Samsung Galaxy Ace, selbst zerstört. Immerhin hat er ja 15 Stunden gehalten. Was beide Geräte gemeinsam haben, sie kamen aus dem PC- und Telefon- Zubehörhandel und waren keine Original-Teile von Dell bzw. Samsung (diese bieten so etwas gar nicht an).

Fazit: Finger weg von dem China-Zubehör-Schrott aus dem freien Handel, wenn nicht irgendein bekannter Name drauf steht. Dieser Name steht nämlich für den Aufpasser, der darüber wacht, dass der Schrott wenigstens halbwegs funktioniert (produziert wird ja ohnehin nur in China, aber wenn schon, dann bitte nicht ohne Sinn und Verstand).

In Krakau haben wir uns dann als erstmal einen Wechselrichter 12 Volt-220 Volt mit 150 Watt Leistung gekauft, der ist von Waeco (wie auch unser Kühlschrank), wird im Betrieb nicht einmal lauwarm und macht einen richtig soliden Eindruck. So können wir unsere Geräte weiter betreiben und sind elektrisch wieder autark. Das einzige was jetzt nicht mehr geht ist das Betreiben des Laptops im Netzbetrieb. Das zieht zu viel Saft, dazu hätten wir bei diesem großen Laptop einen 300 Watt Wechselrichter gebraucht. Wir können ihn also am Tag bei Sonnenschein aufladen und dann im Akkubetrieb den Laptop für etwa 90 Minuten betreiben. Die Warnung an andere Reisende vor No Name Billig-Ladekabeln sei hiermit nochmal deutlich ausgesprochen. Mein Tip: Nehmt auf jeden Fall Eure 220 Volt Ladegeräte und so einen Wechselrichter mit.

Was als zweites auffällt, zu Hause haben wir das Smartphone kaum benutzt, wegen der Größe (ein von mir Finger trifft ja immer 4-6 Buchstaben gleichzeitig) war es uns zu fummelig. Doch unterwegs benutzen wir es schon nach wenigen Tagen fast nur noch für einfache Dinge wie mails und kleine Internetanfragen, es ist einfach um den Faktor 5 schneller als ein Laptop und muss nicht immer stundenlang hoch- und runterfahren.

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